Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Studien zeigen jedoch, dass es erhebliche Unterschiede in der Ausprägung von Rosazea bei beiden Geschlechtern gibt und dass hormonelle Veränderungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung spielen.
👩🦰 Frauen und Rosazea: Der Einfluss von Hormonen
Frauen entwickeln drei- bis viermal häufiger Rosazea als Männer. Besonders in den Wechseljahren erleben viele Frauen eine Verschlimmerung der Symptome, die auf einen sinkenden Östrogenspiegel zurückzuführen sein kann.
Östrogen wirkt entzündungshemmend auf die Haut, da es die Th1- und Th17-Reaktionen im Immunsystem reguliert. Sinkt der Östrogenspiegel, kann die Haut anfälliger für Entzündungen und Rötungen werden.
Östrogen hält Ceramide und Filaggrin (Bausteine der Hautbarriere) zusammen. Sinkt der Östrogenspiegel, kann die Hautbarriere geschwächt werden, was wiederum zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen und einer stärkeren Neigung zu Hautrötungen führt.
Hitzeswallungen in den Wechseljahren können zudem Gesichtsrötungen auslösen und Rosazea verschlimmern. Eine Studie hat gezeigt, dass Frauen in der Perimenopause häufig eine Zunahme der Rosazea-Symptome erleben, was die Theorie des hormonellen Einflusses stützt.
Verhütung und Rosazea
Antibabypillen (Kombinationspillen mit Östrogen und Gestagen oder reines Gestagen) können Rosazea je nach Hormonzusammensetzung und individuellem Hauttyp unterschiedlich beeinflussen.
Östrogendominante Antibabypillen können bei manchen Rosazea-Patienten zu weniger Hitzewallungen führen, da Östrogen die Blutgefäße stabilisiert und Hitzewallungen reduzieren kann. Östrogen wirkt zudem entzündungshemmend und kann Entzündungen in der Haut reduzieren, die Talgproduktion regulieren und so das Aknerisiko senken.
Bei manchen Frauen verstärkt Östrogen Hitzewallungen, was zu stärkeren Hitzewallungen führen kann, und kann die Haut auch sonnenempfindlicher machen.
Gestagendominante Antibabypillen können bei Rosazea problematischer sein, da ihre testosteronähnliche Wirkung die Talgproduktion erhöhen kann, wodurch sich Akne verschlimmern und die Blutgefäße instabiler werden, was zu stärkeren Rötungen führt.
Ausnahme: Bestimmte neue Gestagene (z. B. Drospirenon in Yasmin) wirken antiandrogen und können neutral/positiv sein.
Hormonspirale
Eine Hormonspirale enthält typischerweise Levonorgestrel, ein synthetisches Progesteron. Die Auswirkungen einer Hormonspirale auf Rosazea sind von Frau zu Frau völlig unterschiedlich. Bei manchen Frauen verändert sich der Zustand nicht, bei anderen kann er sich verschlimmern (insbesondere in den ersten 3–6 Monaten), bei manchen kann er sich auch verbessern, insbesondere bei Frauen mit PCOS.
🤰 Schwangerschaft und Rosazea: Ein komplexer Zusammenhang
Während der Schwangerschaft kommt es zu erheblichen hormonellen Veränderungen im Körper, insbesondere zu einem Anstieg von Östrogen und Progesteron. Diese Veränderungen können die Blutgefäße und das Immunsystem beeinträchtigen und Rosazea möglicherweise verschlimmern. Eine retrospektive Studie hat gezeigt, dass sich die Rosazea-Symptome bei manchen Frauen während der Schwangerschaft, insbesondere im zweiten und dritten Trimester, verschlimmern.
Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Rosazea-Symptome während der Schwangerschaft vollständig verschwinden (nach der Geburt jedoch wiederkehren).
Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von Rosazea während der Schwangerschaft besondere Aufmerksamkeit erfordert, da viele Medikamente in dieser Zeit nicht empfohlen werden. Daher sollte die Behandlung immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
👨 Männer und Rosazea: Weniger Fälle, oft schwerer
Obwohl bei Männern weniger Rosazea diagnostiziert wird als bei Frauen, haben Männer oft schwerere Symptome. Eine der auffälligsten Erscheinungen bei Männern ist das Rhinophym, eine Erkrankung, bei der die Nase aufgrund von Gewebeveränderungen vergrößert und gerötet ist.
Eine mögliche Erklärung für den schwereren Verlauf bei Männern könnte sein, dass sie sich oft erst später im Krankheitsverlauf behandeln lassen und so der Rosazea Zeit geben, sich zu entwickeln.
Das männliche Sexualhormon Testosteron stimuliert die Talgdrüsen, was zu fettiger Haut und verstopften Talgdrüsen führen kann. Dies kann die papulopustulöse Rosazea (Pickel und Furunkel) verschlimmern und zu stärker sichtbaren Blutgefäßen im Gesicht führen.
⚧️ Sexualhormone und Rosazea: Was sagt die Forschung?
Die Forschung hat Rosazea auch bei Transgender- und geschlechtsdiversen Personen untersucht. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Östrogen- und/oder Antiandrogenbehandlungen eine schützende Wirkung gegen die Entstehung oder das Fortschreiten von Rosazea haben können.
Dies unterstreicht die Bedeutung von Hormonen bei Rosazea und eröffnet die Möglichkeit weiterer Forschungen zum Einfluss von Hormonbehandlungen auf die Krankheit.
🧭 Schlussbemerkungen
Rosazea ist eine komplexe Hauterkrankung, bei der Hormone und Geschlecht eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung spielen. Bei Frauen können Wechseljahre und Schwangerschaften ein erhöhtes Risiko für eine Verschlechterung der Symptome darstellen, während Männer häufig schwerere Symptome aufweisen.





